Foto: Ralf Münch Nordbayerischer Kurier

Krieg und Elend greifbar gemacht

Krisen- und Kriegsreporter Till Mayer zeigt in der Mittelschule Bilder aus seinem Buch „barriere: zonen“

Von Ralf Münch

„Ich habe selten einen Vortrag hier an der Schule gesehen, bei dem die Schüler so ruhig und konzentriert zugehört haben“, sagt Irene Meyer, die Lehrerin der Ganztagesklasse der Christian-Sammet-Mittelschule. Der Grund für die Aufmerksamkeit: Der Krisen- und Kriegsreporter Till Mayer war zu Gast und zeigte Bilder aus seinem Buch „barriere: zonen“ und erklärte die Geschichten dahinter.

Es ist ziemlich harte Kost, die hier die Schüler sowohl beim Vortrag als auch in der Ausstellung zu sehen und zu hören bekommen. Es sind Geschichten und Bilder von verstümmelten Erwachsenen und Kindern. Vom Leben in der Kloake.

Von Menschen, die in der Hierarchie ganz unten sind und die wegen kriegerischer Auseinandersetzungen für ein Leben gekennzeichnet sind. Es gibt aber auch Bilder, auf denen Menschen in solchen Situationen immer noch lächeln können. Menschen die in Gaza, Uganda, Serbien, Thailand, Kongo oder Somalia leben.

Es war der Lehrer Herbert Haberberger, der Till Mayer für diesen Vortrag an der Mittelschule gewinnen konnte. „Wir haben die fünften und die sechsten Klassen außen vor gelassen. Die ganzen Zusammenhänge, warum solche Sachen passieren, wären einfach noch zu viel für sie“, sagt Irene Meyer. Im Deutschunterricht hat sie mit den Schülern über das Thema Krieg und den Folgen gesprochen. „Es ist für sie sehr interessant. Das schafft unter den Schülern für viel Diskussionsstoff.“

Es stimmt: Während die Lehrerin mit den Jugendlichen über die Berichte Mayers spricht, entbrennt eine Diskussion unter den Schülern. Etwa über eine Mutter aus Vietnam, die vier behinderte Kinder zur Welt gebracht hat. Behinderte Kinder deshalb, weil nach einem Giftgasangriff die Gene geschädigt worden sind. „Warum bekommt man weiter Kinder, wenn man doch schon zwei behinderte Kinder zur Welt gebracht hat. Das kapiere ich nicht“, fragen einige Schüler. Und es wird gekontert: „Weißt du denn, ob dein drittes oder viertes Kind deshalb behindert zur Welt kommen würde?“ Es wird auch über folgende Geschichte gesprochen: Streubomben hatten einem Jungen aus Laos beide Hände abgerissen. Er tanzt nun dennoch Hip-Hop und arbeitet zurzeit an einer eigenen CD. Diskutiert wurde auch über einen amerikanischen Soldaten, der im Vietnamkrieg mindestens sechs Menschen getötet hatte und immer noch an den psychischen Folgen zu leiden hat – Schicksale können unterschiedlichster Art sein.

In der Christian-Sammet-Mittelschule wird jeden Tag „Togo“ angeschaut. Das ist eine Nachrichtensendung für Kinder. So aufbereitet, damit man Hintergründe auch leichter verstanden werden können.

Irene Meyer: „Natürlich unterhalten wir uns jedes Jahr mit den Schülern über Krisen und Kriege. Das gehört zur Allgemeinbildung. Und auch zu unserem Lehrauftrag. Es ist ja auch ein Thema mit Alltagsbezug.“

Aber durch diese Ausstellung und den Vortrag von jemandem, der vor Ort Leid dokumentiert, der wirklich dabei war, wird es den Jugendlichen greifbarer gemacht.


NBK Pegnitz vom Dienstag, 7. Februar 2017

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