Helfer in der Not

Mittlerin zwischen Lehrern, Schülern und Eltern: Jugendsozialarbeiterin Juliane Kohlschmidt betreut die JaS der Christian-Sammet-Mittelschule in Pegnitz.Foto: Ralf Münch

Helfer in der Not

Jugendsozialarbeiter sind aus den Mittelschulen nicht mehr wegzudenken

Bayreuth

Von Gunter Becker

Sie sind ein fester Bestandteil der Schulfamilie: Seit annähernd zehn Jahren kümmern sich Jugendsozialarbeiter an Mittelschulen in Stadt und Landkreis Bayreuth um Schülerinnen und Schüler, die vertraulicher Unterstützung bedürfen. Familiäre Probleme, Mobbing, Drogen – das Themenfeld ist groß, mit dem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) täglich konfrontiert sehen. „Die JaS ist eine absolut wichtige Institution für jede Schule“, ist Helmut Raithel, als Abteilungsleiter beim Jean-Paul-Verein für die JaS zuständig, überzeugt, „und aus dem schulischen Alltag nicht mehr wegzudenken.“

Katharina John, Rektorin der Sebastian-Kneipp-Schule in Bad Berneck, will den Dienst der JaS an ihrer Schule nicht mehr missen. „Jede Mittelschule benötigt einen Sozialarbeiter“, sagt John. Deren Leistung sei für eine Schule heute nicht mehr wegzudenken. Sie helfen Schülern bei der Bewältigung von Problemen; sie nehmen Kontakt mit Eltern auf, wenn es Anzeichen für familiäre Probleme gibt, und sie intervenieren in Krisensituationen, beispielsweise bei Schulverweigerern. Das im Fachjargon „niedrigschwellig“ genannte Hilfsangebot richtet sich gezielt an Schüler und Eltern. Vorteil der JaS: Das Hilfsangebot sitzt im Schulgebäude und kann ohne Umwege kontaktiert und in Anspruch genommen werden. John will die JaS an ihrer Schule nicht mehr missen. Der Bedarf sei groß, wie in allen anderen Mittelschulen auch, sagt John. So groß sogar, dass sie die halbe Stelle, die ihrer Schule genehmigt wurde, gerne aufstocken würde. Die Entscheidung darüber liegt beim Landratsamt.

„Jugendsozialarbeit an Schulen ist die intensivste Form der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule“, sagt Sven Fischer, beim Landratsamt Bayreuth für den Bereich Jugendhilfe zuständig. Sie, die JaS, soll sozial benachteiligte junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen und fördern. Dadurch könnten die Chancen junger Menschen auch bei schwierigen sozialen und familiären Verhältnissen verbessert werden. Das Erfolgsmodell JaS startete 2010 an den Mittelschulen Weidenberg und Pegnitz. Dann folgten die Mittelschulen Bad Berneck und Speichersdorf, die Gesamtschule Hollfeld und die Mittelschule Eckersdorf. Dort ist die Stelle allerdings im Moment nicht besetzt, wie Raithel mitteilt. Der Jean-Paul-Verein habe sie ausgeschrieben. Der oder die neue Sozialarbeiter/in werde im September die Arbeit aufnehmen und dann auch die Schule in Hummeltal mitbetreuen. In diesem Jahr sind außerdem noch die Förderschulen in Pegnitz und Weidenberg hinzugekommen.

Schulen, die sich um einen Sozialarbeiter bemühen, müssen jedoch Geduld mitbringen. Die Mittelschule St. Georgen ist ein Beispiel dafür: „Wir teilen uns eine Stelle mit der Grundschule, doch das ist für uns zu wenig“, sagt Rektor Alfred Bogner. Also hat Bogner im Oktober 2017 einen Antrag an die Stadt gestellt, die halbe Stelle aufzustocken. Weil der Jugendausschuss erst in seiner April-Sitzung dem Antrag zustimmte, fand die Aufstockung im Haushalts- und Stellenplan für 2018 keine Berücksichtigung mehr. So wird die Stelle frühestens zum Schuljahr 2019/20 besetzt werden. „Eigentlich zu spät“, sagt Bogner. Aber Verwaltung arbeite eben langsam. Manchmal auch zu langsam. Streit unter Schülern, Mobbing, psychische und /oder familiäre Probleme: Juliane Kohlschmidt könnte noch viele weitere Gründe aufzählen, die Schülerinnen und Schüler veranlassen, sie aufzusuchen. Die Sozialpädagogin ist seit Februar 2016 für die JaS in der Christian-Sammet-Schule in Pegnitz zuständig. Arbeitsmangel hat sie in den mehr als zwei Jahren nicht verspürt. „Ich bin Ansprechpartnerin für Schüler und Eltern, aber auch für Lehrer, mit denen ein toller Austausch stattfindet“, sagt Kohlschmidt. Als eine Ursache für psychische Probleme nennt sie die schnelle und zunehmende Informationsflut, der die Jugendlichen heute ausgesetzt seien und die sie nicht verarbeiten könnten. Aber auch der zunehmende Leistungsdruck setze Schülern zu. Hinzu kämen veränderte Familienstrukturen: Alleinerziehende Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind; Kleinfamilien, in denen beide Eltern berufstätig sind. Die privaten Probleme, denen die Schüler ausgesetzt sind, wirkten sich direkt auf deren individuelles Verhalten aus. Bei den einen lassen die schulischen Leistungen nach, andere verweigern den Schulbesuch. Wenn Lehrer erste Anzeichen für ein Problem erkennen, schalten sie die Sozialarbeiterin ein. „Die Zusammenarbeit funktioniert wirklich gut“, sagt Kohlschmidt.

Während manche Mittelschule noch auf die JaS-Unterstützung wartet, denken Sven Fischer und Reinhard Müller, der Rektor der Weidenberger Schule, schon weiter. Wie die Erfahrung und Berichte von Lehrern zeigten, müssten über kurz oder lang auch Grundschulen mit Jugendsozialarbeitern ausgestattet werden, sagt Fischer. Müller gibt ihm recht: „Problemfälle gab es früher vor allem ab der fünften Klasse. Heute beginnen die schon in der ersten. Wir müssen früher gegensteuern.“

NBK Pegnitz vom Donnerstag, 14. Juni 2018