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Biologisch abbaubare Luftballons trugen die Kunde von der Pegnitzer "Weltfairänderer"-Aktion hinaus in die Region, garniert mit persönlichen Wünschen der Teilnehmer. Foto: Richard Reinl

Beim Luftballonstart riss die Wolkendecke auf

Pegnitzer Schulen machen beim „Weltfairänderer“ Projekt mit – Große Resonanz bei den Kindern

Von Richard Reinl

Wenn das kein gutes Omen ist: Just, als mit einem Luftballonstart die Kunde vom Pegnitzer „Weltfairänderer“-Projekt in die Region hinausgetragen werden sollte, riss für einige Minuten die Wolkendecke auf und die Sonne strahlte mit den Organisatoren um die Wette: „Das ist der Hammer, was hier abgeht. Die Resonanz übertrifft alle Erwartungen.“

„Standing ovations“, nicht nur von Thorsten Herzing (dem Leiter der Christian-Sammet-Schule) gab es bei der Eröffnung für die Lehrerinnen Barbara Gräf und Stefanie Reinl, die vor über einem Jahr die Idee hatten, diese Veranstaltung des Erzbischöflichen Jugendamts in Bamberg nach Pegnitz zu holen und auch die Dr.-Dittrich-Förderschule sowie das Gymnasium mit einzubeziehen.

Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit fördern

Ziel der „Weltfairänderer“-Woche ist es, die Jugendlichen für Themen rund um Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit zu sensibilisieren. Vor allem aber soll ihnen gezeigt werden, was sie selbst tun können, um die Welt ein bisschen fairer zu machen – getreu dem Motto von Albert Schweitzer „Das Wenige, das du tun kannst, ist viel“.

Joachim Waidmann vom Referat Schülerseelsorge der Erzdiözese Bamberg hält es für wichtig, dass die Inhalte lebensnah und praktisch vermittelt werden. Im Mittelpunkt stehen deshalb je eineinhalbstündige Workshops im eigens aufgestellten Zelt, für die die Klassen die Themen selbst wählen konnten.

Fairer Handel steht dabei genauso zur Auswahl wie etwa Plastik, Wasser oder Migration. „Fair zur Umwelt, zu den Mitmenschen und zu den Produzenten“, nannte Waidmann den roten Faden, der sich durch alle Workshop-Angebote zieht. Ein zweites virtuelles Zelt im Kunstraum sowie ein Faircafé in der Aula runden das Angebot ab.

Herzing freute sich über das rappelvolle Zelt beim ökumenischen Eröffnungs-Gottesdienst am Sonntag und konnte nach den ersten Stunden schon Erfolge melden. So sollen die Tauschbörse über ein Umsonst-Regal und einen Kleiderschrank zur festen Einrichtung werden. Zudem laufe eine Schulwette mit dem Ziel, 100 alte Mobiltelefone für notleidende Familien einzusammeln.

In einer Diskussionsrunde zollte Bürgermeister Uwe Raab der Jugend Anerkennung für ihren Einsatz, eine lebenswerte Umwelt vererbt zu bekommen. Die Fairtrade-Bewegung sei ein Beitrag, auch in anderen Erdteilen die Lebensqualität zu erhöhen. Die evangelische Pfarrerin Christine Lauterbach sah die Aktion als Fortsetzung der nunmehr schon 60-jährigen Kirchen-Initiative „Brot für die Welt“.

Leider rangiere aber etwa beim Kaffeepreis der Sparwille immer noch weit von der Hilfsbereitschaft. Der Leiter des erzbischöflichen Jugendamts, Norbert Förster aus Büchenbach, zeigte sich als Mitveranstalter begeistert ob der Resonanz des inzwischen vielfach ausgezeichneten Projekts und mahnte zugleich: „In der Bibel steht, macht euch die Erde untertan. Das bedeutet nicht, dass Ihr sie zerstören sollt.“

Florian Questel wurde in der Schule gehänselt

Bürgermeister Florian Questel aus dem Ahorntal erinnerte sich, wie er vor 20 Jahren als Bio-Müsli-Verkäufer in der Schule gehänselt worden ist. Heute seien Schüler wichtige Multiplikatoren in den Familien und Vereinen.

Sein Amtskollege Hans-Walter Hofmann aus Schnabelwaid freute sich über das Zusammenwirken von Schule, Kirche, Eltern und Politik: „Diese Aktion wird das Weltklima nicht retten, aber die Politik muss begreifen, dass die Kinder Angst um die Zukunft des Planeten haben.“

Förderschul-Rektor Steffen Blank blendete zurück auf eine Vorlesung zum Thema „Die Schuldenkrise der Dritten Welt als globale Zeitbombe“. Susanne Bauer von der Fairtrade-Steuerungsgruppe riet zu Verantwortungsbewusstsein nicht nur bei der Produktauswahl, sondern auch in Sachen Verpackung. Generell sei die Fairtrade-Bewegung eine bessere Art von Entwicklungshilfe. Daniela Stöcker-Dollinger vom BDKJ Auerbach hat die Erfahrung gemacht, dass man Kinder nicht früh genug mit der Problematik befassen könne. Dann schmecke ihnen auch regionales Essen. Dies bestätigten auch die Vertreterinnen des Elternbeirats: „Die Kinder saugen diese Themen regelrecht auf.“


NBK Pegnitz vom Mittwoch, 8. Mai 2019