Wenn Jack Daniels der beste Freund ist

Erschreckend real: Theaterstück „Limit“ zeigt Schülern, wie schnell Alkohol an den Abgrund führt
Bier, Whiskey, Wodka – alles ist angerichtet. In einem Klassenzimmer in der Christian-Sammet-Mittelschule Pegnitz. Denn es soll eine Party gefeiert werden. Was Alkohol in einer Schule zu suchen hat? Im Grund genommen nichts, es sei denn, es handelt sich um das Theaterstück „Limit“.
Eike Adler und Dominik Münch vom Theater Chapeau Claque aus Bamberg, beide „hauptberuflich“ Studenten im Bereich Pädagogik, sind die Protagonisten. Der Inhalt, der sich an die Schüler der achten und neunten Klassen richtet, ist schnell erzählt. Es geht um ein Thema, das erschreckenderweise auch viele Erwachsene aus ihrer Jugendzeit kennen.
Nach dem Motto „Das Ende ist der Anfang, der Anfang ist das Ende“ beginnt das Theaterstück, welches die beiden Studenten bravourös spielten, am Schluss: Basti liegt bewusstlos am Boden, und Nina fragt sich, wie das alles nur passieren konnte. Dann erst wird das „Warum“ erklärt.
Nina und Basti wollen feiern und besuchen eine Party. Während Nina Spaß haben und tanzen möchte, kommt Bast nicht „in die Gänge“– er kann nicht locker werden, kann nicht aus sich rausgehen. Die Lösung sucht er bei einem Bier. Und als auch noch Ninas früherer Freund auftaucht, ist Bastis Frust perfekt. Beim Bier bleibt es nicht, es wird zu Härterem gegriffen. „Barmann, ich krieg’ noch einen“, sagt Basti, steht auf, und spielt gleichzeitig seinen eigenen Barmann.
Bald aus der Flasche
„Ich hatte einen Termin mit dem da“, meint er zu Nina, nachdem diese vom Tanzen zurückgekommen ist, und zeigt auf seinen Becher: Jack Daniels ist inzwischen sein bester Freund geworden. Irgendwann ist es dann Wodka, der nicht mehr aus dem Glas, sondern aus der Flasche getrunken wird. „So lange er noch über seine eigenen Witze lachen kann und nicht alles vollkotzt, ist ja noch alles in Ordnung“, sagt Nina. Doch genau das passiert – Dominik Münch alias Basti torkelt aus dem Klassenzimmer, und die Schüler der Klassen M 8 a und M 8 b wissen, was er jetzt tut. Nach einem Streit mit seiner Freundin geht diese schließlich, und bei ihrem Freund gehen die Lichter aus. Erst nächsten Tag erfährt sie, dass er im Krankenhaus liegt, an Schläuchen und Infusionen angeschlossen.
Das Theaterstück wurde in Zusammenarbeit mit der landesweiten Kampagne HALT des bayerischen Gesundheitsministeriums und im Auf trag des Jugendamtes des Landratsamts Coburg entwickelt. „Limit“ ist präventiv zu sehen. Es zeigt, wie leicht und ungewollt nicht nur He ranwachsende in solch eine Situation hineinrutschen können. Das „Komasaufen“ ist dabei eine besorgniserregende Neuerscheinung. Dazu Melanie Huml, Schirmherrin von „Limit“ und Staatssekretärin im bayerischen Gesundheitswesen: „Das Trinkverhalten von Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Während junge Menschen früher regelmäßig Alkohol konsumiert haben, trinken Jugendliche heute insgesamt weniger, dafür umso exzessiver.“ Bemühungen, den Zugang zum Alkohol, besonders der Alcopops, für Jugendliche zu erschweren, scheiterten bisher – zu bekommen ist er für jeden überall und zu jeder Zeit.
„Die aktuellen Zahlen der Alkoholintoxikationen bei Jugendlichen belegen die Verbreitung des Rauschtrinkens eindrucksvoll. Hier muss mit allen Mitteln entgegengesteuert werden“, so Melanie Huml.
Nordbayerischer Kurier vom 12.11.2010