Da fließt der Schweiß in Strömen

Der Engländer und Profitänzer Alan Brooks bringt Schülern die richtigen Schritte bei

Von Ralf Münch

In der Christian-Sammet-Mittelschule schwitzen die Schüler. Beziehungsweise Alan Brooks lässt sie schwitzen. Hinter verschlossenen Türen der Turnhalle – andere Schüler sollen nicht sehen, was dort gemacht wird. Zumindest bis zur Tanzaufführung am Freitag.

„Schultanz in Bayern“ heißt das Projekt, bei dem ein Profitänzer Schülern zeigt, was Tanz eigentlich bedeutet. „Schulen werden vom Kultusministerium angeschrieben, ob sie Interesse hätten, daran teilzunehmen“, sagt Bettina Ondrusek, die selber eine Arbeitsgemeinschaft „Tanz“ an der Schule leitet. Und da es sich bei der Mittelschule um eine mit Schwerpunkt Musik handelt, böte sich so etwas natürlich an – Tanz und Musik gehören zusammen wie die Faust auf das Auge.

Getanzt wird hier von 31 Schülern der siebten und achten Jahrgangsstufen – angemeldet hatten sich zwischen 60 und 70 Jugendliche. Und das, obwohl die Schüler für die 15 Stunden, die sie hier wirklich hart trainieren müssen, den verpassten Unterrichtsstoff daheim nachholen müssen.

Körperbeherrschung

„Leider konnten nicht alle mitmachen. Wir sind dann einfach nach dem Datum der Anmeldung gegangen“, so Ondrusek weiter. Ob ein Schüler vom sportlichen Aspekt her mehr oder einer weniger dafür qualifiziert wäre, spielt dabei keine Rolle. Denn, wie sich Ondrusek ausdrückt, ist Tanz mehr als nur Discotanz.

Es gehe um Körperbeherrschung, Koordination. Es gehe darum sich selbst auszudrücken und vor allem habe Tanz auch einen sozialen Aspekt: Man arbeitet und schwitzt in der Gemeinschaft miteinander, und man muss zusammen etwas erarbeiten und am Ende durchführen. Der, der hier die Schüler die harte Schule des Tanzes beibringt, heißt Alan Brooks. Er ist Engländer und Profitänzer. Er hat zeitgenössischen Tanz studiert, hatte Auftritte am Scottish Dance Theatre in Schottland oder war als Solist beim Ballett-Theater in München, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, gestanden.

Tanzen ist nicht nur Disco: In einem Projekt mit dem Profitänzer Alan Brooks (Bild rechts) lernen die Buben und Mädchen der Sammet-Schule, dass Tanz harte, schweißtreibende Arbeit ist. Fotos: Münch

Harte Arbeit

Und tut es immer noch, etwa in Frankreich, Spanien, Holland oder Italien. Seine Ausbildung zum Tanzpädagogen erhielt er bereits während seiner Zeit in Schottland. Seit 2009 leitet Brooks im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus das Projekt „Schultanz in Bayern“. Er weiß ganz genau, dass das, was beim Zuschauer als so leicht erscheint, harte Arbeit ist. Und das zeigt er auch den Schülern – er kann schon einmal laut werden. „Ich bin wirklich nicht böse. Ganz im Gegenteil. Ich will, dass es den Kindern Spaß macht“, sagt der sympathische Engländer auf Deutsch mit englischem Akzent.

Aber er will, dass die Schüler an sich arbeiten und er verlangt auch Disziplin. „Mir ist bewusst, dass ihr alle müde seid. Aber macht weiter. Heute Abend geht ihr ins Bett und wiederholt in euren Gedanken immer wieder das, was ihr heute gelernt habt. Ihr werdet sehen, dass morgen dann alles noch viel besser klappt. Es wird alles viel deutlicher.“ Damit meint er Tanzanweisungen wie „rechtes Knie, Hintern, Drehen, Seite“.

Der Profi hat dabei allen Respekt vor seinen Schülern auf Zeit. Seinen Angaben nach kenne er niemanden von seinen Kollegen, die nach 15 Stunden Training den Mut hätten, eine Choreografie, die neun bis zwölf Minuten dauert, wie in diesem Fall, vor großem Publikum zu tanzen. Und wenn nicht alles reibungslos klappt und es Patzer gibt, dann umschreibt es der Profi mit folgenden Worten: „Wenn es schief läuft, dann läuft es schief. Na und?“ Ihm geht es in seiner Jugendarbeit um etwas ganz anderes. Es soll Freude machen, es soll eine Herausforderung sein.

Manchmal muss er schreien

Der Prozess und der Zusammenhalt, der entsteht, ist ihm das Wichtigste. „Die sollen auf der Bühne stehen können und sagen: Das bin ich. Hier bin ich und ich bin gut so, wie ich bin. Aber die schaffen das schon bis Freitag. Manchmal muss ich halt dafür dann doch ein bisschen schreien“, grinst der Tänzer.

NBK Pegnitz vom Donnerstag, 24. Mai 2012

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Dazu eigene Bilder und Filme bei "Musikschule - Tanz mit Alan Brooks"