Bemalt, beklebt und durchgesägt

Osterei ist nicht gleich Osterei: Markt im Alten Schloss zeigt noch echtes Kunsthandwerk – Diesmal 38 Aussteller dabei

Osterei ist nicht gleich Osterei – jedenfalls was man sich vielleicht landläufig darunter vorstellt: gekocht, gefärbt, zum Verspeisen bestimmt. Der Ostermarkt von Unser Pegnitz im Altenstädter Schloss zeigte, was man unter einem Osterei alles verstehen kann: Bemalt, beschrieben, beklebt, in der Mitte durchgesägt – und nicht zum Essen bestimmt.

Helena Martin zum Beispiel ist immer mit dabei beim Ostermarkt mit ihren mit verschiedenen Motiven sorgfältig bemalten Eiern. Die Marktbesucher, die die 70-jährige Pegnitzerin kennen, steuern ihren Stand teils gezielt an, um der Ostereiersammlung ein weiteres hinzuzufügen. Seit nunmehr 30 Jahren bemalt die Frau mit der immer noch ruhigen Hand jede Größe von Ei, egal ob von Taube, Huhn, Gans, Pute oder Ente. Auch Straußeneier werden von ihr kunsthandwerklich veredelt. Die meist blumigen Motive passen zu Ostern und zum Frühling. Ihre Vorlagen fand sie in Kalendern oder auf Postkarten. „Aber mittlerweile kann ich die Motive auswendig.“ Wie lange sie an einem Ei arbeitet, hat sie noch nicht versucht herauszufinden, nur: „Ich male sie so lange an, bis sie mir gefallen.“

Ein paar Stände weiter bietet Christel Nunn aus Nürnberg Ostereier an, die ebenfalls gleich ins Auge fallen: Spruchbandkurbeleier, aus denen man beschriebene Papierfahnen herausziehen und eben wieder zurückkurbeln kann, Klappeier mit Hinterglasminiaturen, Gebetseier, Batikeier oder mit farbigem, modelliertem Wachs überzogen. Nunns aufwendig bearbeitete Eier mit vorwiegend religiösen Motiven sind keine neuartigen Erfindungen, sondern diese österliche Kunst stammt unter anderem aus der Biedermeierzeit oder ist noch älter.

Alleine diese beiden Beispiele zeigen, dass Organisatorin Ilse Löhr einmal mehr darauf gesehen hat, dass den Besuchern des zweitägigen Ostermarkts echtes Kunsthandwerk geboten wird. 38 Aussteller waren dieses Mal dabei, so dass der Platz im Alten Schloss eng wurde und einige Aussteller mit einem vom städtischen Bauhof zur Verfügung gestellten Stand im Freien vorlieb nehmen mussten.

Dort fand man unter anderem auch erstmals Schüler des Arbeitskreises Soziales des Zweigs des AWT (Arbeit, Wirtschaft, Technik) der Christian-Sammet-Schule. Die Mittelschüler boten selbst gebackene Hefetiere und selbst gebastelte Osterkränze an, um Geld für Schulaktivitäten in die Kasse zu bekommen. Daneben konnte man einem Steinmetz beim Arbeiten über die Schulter sehen.

Der Pegnitzer Ostermarkt wird nicht nur gerne von einheimischen Kunsthandwerkern angesteuert. Es hat sich herumgesprochen, dass der Markt Niveau hat. Tina Hofmann ist so ein Beispiel: Die Nürnbergerin ist bereits das dritte Mal dabei, auch weil sie hier ein aufgeschlossenes Publikum findet, für ihre selbst entworfenen Perlentiere. Vor rund zehn Jahren ist sie zu diesem Hobby gekommen, das sie nun auf Märkte landauf, landab führt.

Damals habe sie ihrer elfjährigen Nichte eine Bastelpackung mit den bunten Perlen geschenkt und mit ihr angefangen zu basteln. „Ich bin daran hängengeblieben, meine Nichte nicht“, sagt sie amüsiert.

Klaus Trenz

NBK Pegnitz vom Montag, 25. März 2013