Großer Andrang herrschte an der „fruchtBAR" des Landkreises in der Pegnitzer Christian- Sammet-Halle. Foto: Volz

Drogen: Augen nicht verschließen

Schüler der achten Klassen befassten sich mit dem Thema — Eltern ansprechen

PEGNITZ - Der örtliche Arbeitskreis „Unsere Stadt Pegnitz gemeinsam gegen Drogen“ hat sich Vorbeugung auf die Fahnen geschrieben. Jugendliche sollen sich mit dem Thema auseinandersetzen und sensibilisiert werden.

Schüler aller achten Jahrgangsstufen in sämtlichen Schulen befassten sich unter Leitung von Kriminalhauptmeister Peter Stenglein von der Kripo Bayreuth zusammen mit ihren Lehrern mit diesem Thema. Sylvia Tennert aus der Rathausverwaltung koordinierte die Aktion. Die Jugendlichen sollen gemeinsam Arbeiten anfertigen, die jetzt ausgestellt und zum Teil mit Prämien bedacht wurden.

Drei Preise waren ausgelobt. Der erste ging an die Klasse 8b des Pegnitzer Gymnasiums. Auf dem zweiten Platz landete die 8d der Realschule Pegnitz und mit dem dritten Preis wurde die Christian-Sammet-Mittelschule bedacht.

Es waren zwar nur drei Preise ausgelobt, aber Polizeivizepräsident Werner Mikulasch gefiel die Arbeit der 8c vom Gymnasium so gut, dass er sie mit einem Sonderpreis auszeichnete – 50 Euro spendierte er aus eigener Tasche.

Erwartungen übertroffen

„Ich bin stolz auf Euch, Ihr habt die Erwartungen übertroffen“, kommentierte Stenglein die Arbeiten der Schulen. Der Arbeitskreis gegen Drogen funktioniere bestens. Er habe beim Besuch in den Schulen festgestellt, dass in den stundenlangen Diskussionen über legale und illegale Drogen so mancher „schrecklich unaufgeklärt“ war.

Die Vorbeugung beginne aber zu Hause. Den vielen Eltern, die an diesem Abend in der Turnhalle der Sammetschule zusammenkamen, rief er zu, sie sollten sich Zeit für ihre Kinder nehmen. So manche „Drogenkarriere“ habe bei Schwierigkeiten daheim begonnen. Wichtig sei es aber auch, sich um die Freunde der Kinder zu kümmern.

Konrektor Markus Lehner hatte Schüler, Eltern und Prominenz in der Turnhalle begrüßt. Darunter waren Schulverbandsvorsitzender Bürgermeister Manfred Thümmler, Landrat Hermann Hübner, Polizeivizepräsident Werner Mikulasch und Kabarettist „Eisi Gulp“, der für den humorvollen Teil des Abends sorgte.

Markus Lehner sagte, es sei nur zu hoffen, dass gute Erziehung fruchtet. Ein Kind heil in die Zukunft zu führen, gehe nicht mehr. Mit Drogen aus den Giftküchen kämen die Kinder heute unweigerlich in Berührung. Es sei wichtig, dass sie stark genug sind, sich dieser Versuchung zu widersetzen. Die Arbeiten, die die Schüler auf die Beine gebracht und an diesem Abend ausgestellt haben, seien Meilensteine. Das Schlimmste, was Eltern und Lehrer machen könnten, sei die Augen zu verschließen. Für die jungen Leute seien vor allem die Eltern der Ansprechpartner. Viele kleine Schritte könnten hier Vertrauen schaffen.

Dank sagte Bürgermeister Manfred Thümmler den Verantwortlichen, die die Aktion überzeugend vorbereitet haben. Er dankte auch Peter Stenglein und der Polizei für ihr Arbeit, die nicht selbstverständlich ist, die aber in Zusammenarbeit mit den Schulen den Verantwortlichen eine Chance gibt, die jungen Menschen anzusprechen. In aller Regel führe dies zu einem Weg ohne Drogen.

Ein Kompliment sprach der Polizei-Vizepräsident den Klassen für die gemeinschaftlich erstellten Arbeiten aus. Sie zeigten, mit welcher Intensität sie sich mit dem Thema Drogen befasst haben, sowohl mit legalen als auch mit illegalen. Als Polizist sehe er, welche Problem der Drogenkonsum bereitet. Den Pegnitzer Schulen sprach er seine Hochachtung aus, denn „was hier im Arbeitskreis geschieht, ist bayernweit vorbildlich“.

Ein dickes Lob gab es auch von Landrat Hermann Hübner für die Arbeiten der Schüler. Er gratulierte den Siegern, machte aber deutlich, dass Stadt und Landkreis in der Jugendarbeit gute Wege gehen, denn man wolle die Kinder von der Straße, der Glotze oder vom Computer wegbringen und sie auch für andere Sachen interessieren.

Ein wichtiges Thema war für ihn aber der zu hohe Alkoholkonsum junger Leute bei vielen Festen. Daher habe der Landkreis eine „fruchtBAR“ angeschafft, mit 15000 Euro Eigenmitteln des Kreises und mit Hilfe von Sponsoren. Schon 20-mal und insgesamt 60 Tage sei sie im vergangenen Jahr im Einsatz gewesen.

Was hier an Cocktails geliefert werden kann, konnte man in der Sammethalle selbst feststellen. Trotz viel Personal, gestellt von der Pegnitzer katholischen Jugend, bildeteten sich lange Schlangen, aber alle waren begeistert von den Drinks, die in großen Gläsern für einem und zwei Euro ausgegeben wurden. Alkohol war da tabu.

Der Landrat sagte, dass ein professioneller Betrieb der „fruchtBAR“ gewährleistet ist und sie zwischen 50 und 120 Euro ausgeliehen werden kann. Mitgliedsverbände und Jugendtreffs zahlen 50 Euro, Schulen oder Vereine mit Jugendarbeit 80 und Vereine ohne Jugendarbeit 120 Euro.

Kabarettist „Eisi Gulp“ präsentierte sein Programm „Hackedicht oder was“ und hatte schon nach wenigen Minuten mit seiner Pantomime mit sportlichen Höchstleistungen und mit moderner Musik die Besucher in seinen Bann gezogen. Er führte Eltern und Schüler nicht belehrend, sondern durch entlarvendes Spielen vor Augen, welche Wirkungen und Auswirkungen Alkohol- und Drogenkonsum hervorrufen.

Probleme aufzeigen

Sein Ziel ist es, den Zuschauern die Probleme aufzuzeigen und das verbunden mit einem herzhaften Lachen. Seine Botschaften kamen gut an, der viele Beifall zeigte dies, weil sie kabarettistisch, eingängig und überzeugend dargeboten wurden. Aufgezeigt wurde auch die Drogen-Doppelmoral der Gesellschaft, gemeint waren Alkohol auf der einen und Drogen auf der anderen Seite.

Nordbayerische Nachrichten vom 22.03.2012