Bei der Studien-Abschlussfahrt des M-Zugs der Sammet-Schule in die Toskana durfte auch ein Besuch auf der Piazza de miracoli mit dem Schiefen Turm in Pisa nicht fehlen.Foto: Reinl

Ziel: Jugendliche lebenstüchtig machen

Abschlussfahrt des M-Zugs in die Toskana — Günther Müller und Hanne Schoberth „beste Lehrer“

PEGNITZ - Im Ristorante De’ Medici in Florenz ging eine Ära zu Ende: Günther Müller, der Konrektor der Christian-Sammet-Mittelschule in Pegnitz, feierte mit seiner letzten Klasse den Abschluss des „Toskana-Projekts“. Der ebenfalls aus dem Schuldienst scheidende Rektor Helmut Graf, der erstmals mitgefahren war, um diese Klassenfahrten der besonderen Art einmal persönlich zu erleben, war des Lobes voll. Er will Günther Müller und seine Kollegin Hanne Schoberth für den Wettbewerb „Beste Lehrer Bayerns“ vorschlagen

Günther Müller ist Lehrer aus Leidenschaft. Die pure Vermittlung des vom Lehrplan her vorgeschriebenen Fachwissens hat ihm nie ausgereicht. Sein Credo war stets eine ganzheitliche und vor allem nachhaltige Erziehung seiner Schützlinge. Sie sollten nicht nur für die Schule, sondern vor allem für ihr späteres Leben lernen, kurzum: Sie sollten lebenstüchtig gemacht werden.

In diesem Bemühen war er stets bereit, ungewöhnliche Wege zu gehen. Voraussetzung allerdings war immer, dass die Jugendlichen Interesse entwickeln, sich voll mit einbringen und gebotene Freiheiten nicht ausnützen. Unter diesen Voraussetzungen hat er die Abschlussfahrten der M-Züge nach Rom oder wie jetzt nach Florenz zu Ganzjahresprojekten entwickelt, bei denen die Jungen und Mädchen enormes Fachwissen erarbeiteten. So staunte etwa die Führerin nach dem Stadtrundgang, als sie hörte, dass es sich bei Gruppe um Mittelschüler gehandelt habe: „Ich dachte, es wären Kunststudenten, so gut machten sie mit.“

Interesse für Kultur geweckt

Müller: „Wir legen an unserer Schule gerade im M-Zug und in den Abschlussklassen großen Wert darauf, die Jugendlichen fit fürs Leben zu machen. Wir trainieren tage- und wochenlang die Suche nach Lehrstellen, die richtige Art der Bewerbung und das entsprechende Auftreten bei der Vorstellung. Und wir wollen mit entsprechend vorbereiteten Auslandsfahrten bei den Jugendlichen darüber hinaus das Interesse und das Verständnis für Kunst und Kultur wecken.“

Inhaltlich erstreckte sich die Vorbereitung auf die Abschlussfahrt über das ganze Schuljahr. Es wurden Projektgruppen gegründet, Internet-Recherchen angestellt, Referate erarbeitet und Themenmappen erstellt, die die Voraussetzung bildeten, dass die Exkursion zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.

An Themen mangelte es dabei nicht, sind doch weltweit nirgends mehr Kunst-Denkmäler zu finden als in Florenz und in der Toskana. Dabei wollten die Lehrkräfte den Jugendlichen nicht nur die imposanten Bauten und Gemälde näher bringen, ihnen ging es vielmehr auch um Inhalte, um die Bedeutung von Renaissance und Humanismus in dieser Region und um den Einfluss der Künstler-Genies, der Handwerker, der Politik und der Kirche.

Solchermaßen bestens vorbereitet brachten die Schüler den imposanten Bau- und Kunstwerken auch das nötige Interesse entgegen. Das Programm hätte jeder professionellen Studienfahrt zur Ehre gereicht: Nach einem Zwischenstopp in Venedig standen in Florenz unter anderem die Besichtigung des Doms, der Galleria de’ll Academica mit der Original-David-Statue von Michelangelo, des Museo della Scienca, der Kirche Santa Croce mit den Gräbern bedeutender Florentiner, der Uffizien, der Medicikapellen oder der Ponte Vecchio auf der Tagesordnung.

Ausflüge führten zum Dom und zur Piazza del Campo in Siena, nach San Gimignano, dem Manhattan des Mittelalters, zur Piazza Miracoli mit dem Schiefen Turm in Pisa und an den Strand bei Tirennia, sollte doch auch das Vergnügen nicht zu kurz kommen.

Die Suche nach preisgünstigen wie typischen Lokalen und ein Einkaufsbummel durch die größte Jugendstil-Markthalle ganz Europas in Florenz rundeten die Woche ab.

Höhepunkt freilich war wieder das festliche Abschlussessen mit einem landestypischen Drei-Gänge-Menü im Ristorante De’ Medici. Hier hieß es für alle Abschied nehmen: Der scheidende Konrektor Günther Müller lobte seine Schüler, die bewiesen hätten, dass sie lebenstüchtig sind, der scheidende Rektor Helmut Graf zollte den Lehrkräften Müller und Schoberth Anerkennung für ihre Arbeit und die Klassensprecherin Elen Acetta, die wertvolle Dolmetscherdienste geleistet hatte, bedankte sich im Namen aller mit einer Flasche feinstem „Brunello di Montalcino“ für die tolle Woche.

Nordbayerische Nachrichten vom 17.06.2011