Ministerpräsident überreicht Urkunden

Mittelschul-Verbund rettet Creußner 7. Klasse

Festakt in München: Ministerpräsident und Kultusminister überreichen Urkunden an neuen Zusammenschluss -

PEGNITZ/MÜNCHEN - Bildungsgerechtigkeit ist ein Ziel des Mittelschul-Modells, das mit einem Festakt in der Münchner Residenz aus der Taufe gehoben worden ist. Im Verbund Pegnitz-Creußen ist der erste Erfolg schon zu vermelden: Mit Zustimmung der Eltern konnte die stark gefährdete siebte Klasse in Creußen erhalten und die überhöhte Klassenstärke in Pegnitz reduziert werden.

Rektor Helmut Graf und Bürgermeister Manfred Thümmler (links und rechts von Seehofer) erhielten vom Ministerpräsidenten (Mitte), vom Kultusminister Ludwig Spaenle (l.) und seinem Staatssekretär Marcel Huber (r.) die Urkunden.

Ziel des Mittelschul-Modells ist laut Ministerpräsident Horst Seehofer und Kultusminister Ludwig Spaenle, eine wohnortnahe Schulversorgung zu gewährleisten. Möglichst viele der 1000 Hauptschulstandorte sollen so gerettet werden, weil solche Grundversorgungseinrichtungen eminent wichtig seien für die Lebensqualität und somit die Zukunft des flachen Landes.

Unter dem Motto "kein Abschluss ohne Anschluss" solle die individuelle Förderung der Kinder schon ab der fünften Klasse verstärkt und insgesamt die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen, der Wirtschaft und auch der Bundesagentur für Arbeit netzwerkartig forciert werden. Zudem sollen Praxisklassen den Start in das Berufsleben verbessern.

Seehofer bezeichnete vorher in einer Grundsatzrede die von Bayern verfolgte Bildungsoffensive als beste Sozialpolitik. Wenn möglichst alle Schulabsolventen in Berufe vermittelt werden können, erspare das später hohe Folgekosten. Stolz sei er deshalb, dass die Mittelschule 15 verschiedene Wege zur Hochschulreife eröffne und sich heute schon 42 Prozent aller Studenten über Fach- oder Berufsoberschulen für die Universität qualifizieren. Ziel müsse es sein, die Haupt- und Mittelschulen so nah wie möglich bei den Kindern zu halten. "Wir müssen die Schule im Dorf lassen", ergänzte Kultusminister Spaenle. Seehofer: "Nur so kann das früher arme Bayern seinen Status als Fünf-Sterne-Land halten und ausbauen."

Weil die Hauptschulen vom Bevölkerungsrückgang am stärksten betroffen sind, sei die Verbundarbeit zwischen den Mittelschulen so wichtig. Zwei Drittel aller Hauptschulen seien jetzt schon dabei, der Rest, vor allem aus den Großstädten, werde aus organisatorischen Gründen im nächsten Schuljahr folgen, so Spaenle. Auch im Fall Pegnitz geht die Entwicklung weiter, werden doch laut Bürgermeister Manfred Thümmler und Rektor Helmut Graf bald noch Pottenstein und Gößweinstein zum Verbund Pegnitz-Creußen stoßen.

Thümmler dankte dem Pegnitzer Rektor Helmut Graf für die professionelle Vorarbeit zur absoluten Zufriedenheit aller Verbundpartner, die auch in München mit präsent waren. Damit erhöhe sich die Handlungsfreiheit vor Ort, wie ein aktuelles Beispiel zeigt: Weil an der Robert Kragler-Mittelschule in Creußen mit nur noch 13 Schülern in der 7. Jahrgangsstufe die Mindestklassenstärke nicht mehr erreicht worden wäre, wären die Durchgängigkeit bis zur 9. Klasse und damit der Hauptschulstandort generell gefährdet gewesen. Auf der anderen Seite wäre die 7. Regelklasse in Pegnitz mit möglicherweise 27 Schülern überbesetzt gewesen.

Deshalb entschloss sich der Verbundausschuss bei einer Sondersitzung in den Ferien, drei Schülern aus Schnabelwaid den Wechsel von Pegnitz nach Creußen anzubieten. Die Eltern stimmten zu, nicht zuletzt, weil sich der Schulweg sogar noch verkürzt und weil die Betreuung in der kleineren Creußner Klasse sogar noch intensiviert werden kann. Graf und Thümmler unsisono: Eine Regelung, die allen nützt.
Nordbayerische Nachrichten vom 14.09.2010