Dank Erste-Hilfe-Kurs ein Mädchen gerettet

Zwei Jungen der Sammet-Schule setzen ihr Wissen bei Badeunfall in Betzenstein ein - Urkunden für Klasse Das erste Mal in der Geschichte der Sammet-Schule bekam eine ganze Klasse Unterricht in Erster Hilfe. Es war die 6 g, eine Ganztagsklasse. Wie hilfreich dieses neue Wissen ist, zeigte in den vergangenen Tagen ein Badeunfall in Betzenstein. Denn zwei der Pegnitzer Schüler griffen dort sofort ein. Sie retteten ein fünfjähriges Mädchen vor dem Ertrinken.

PEGNITZ/BETZENSTEIN - Ihre Lehrerin Kornelia Zaloga telefonierte danach mit dem Bademeister. Er bedankte sich noch einmal bei Timo Schulze und Jan Fenske, die das Mädchen bewegungslos im Becken treiben gesehen hatten, es sofort herausholten in eine stabile Seitenlage legten und ihn riefen. Das Kind konnte sich in der Seitenlage erbrechen und geschlucktes Wasser abgeben.

Viele Erwachsene hätten in solch einem Fall nicht gewusst, was sie tun sollten, erklärte er Kornelia Zaloga.

Sie und ihre Kollegin Irmgard Keefer hatten Schulleiter Helmut Graf gebeten, der ganzen Klasse diesen Erste-Hilfe-Unterricht zu ermöglichen. Für die Lehrer ist er schon Pflicht: Alle drei Jahre müssen sie ihr Wissen auffrischen.

Wie nötig das ist, weiß Kornelia Zaloga aus Erfahrung: »Wir hatten hier in der Schule schon mehrere Fälle, wo es Spitz auf Knopf stand.«

Das Pegnitzer Rote Kreuz war sofort bereit, von September bis Juli in die Klasse zu kommen. Ausbildungsgleiter Markus Haberberger und Roland Brütting planten jede Woche eine Doppelstunde ein. Bis auf eine Handvoll Kinder machten alle Mädchen und Jungen mit.

Unter ihnen war auch Stefanie Reichelt, die am eigenen Leib erlebt hatte, wie wichtig eine gute Erstversorgung ist. Sie war nämlich von einem Pferd gefallen und hatte sich den Oberschenkel gebrochen. Auerbacher Helfer waren zur Stelle.

Jetzt verteilte Roland Brütting Urkunden zum bestandenen Kurs. »Ich hoffe, es war mehr kurzweilig als langweilig«, sagte er. »Uns hat es Spaß gemacht, auch wenn es Anlaufprobleme gegeben hat.« Wie wichtig Erste-Hilfe-Kenntnisse im Notfall sind, betonte er auch: »Es kann schnell gehen, so schnell schaut ihr gar nicht.«

Rektor Helmut Graf wandte sich ebenfalls an die Zwölfjährigen: »Ich denke, es war nicht der letzte Lehrgang, den ihr gemacht habt.« Er umfasste unter anderem die Themen »Herz« und »Lunge«, Vergiftungen, Stürze, Blutstillen und Verbandanlegen.

Helmut Graf will nun dafür sorgen, dass in Nachgesprächen herausgefunden wird, wo was besser gemacht werden kann bei künftigen Kursen.

Die Lehrerinnen Kornelia Zaloga und Irmgard Keefer fragten zusätzlich schon alle Kinder, ob sie bis zur 9. Klasse bereit sind, bei Veranstaltungen oder Festen den Sanitätsdienst zu unterstützen. Von keinem Ersthelfer gab es ein Nein. Alle sind mit Freude dabei, ihre neuen Jacken mit der Erste-Hilfe-Aufschrift zu tragen, den mobilen Koffer mit Einsatzmaterial zu schleppen und ihren Lehrern zu helfen.

»Wir machen einen Plan für diese Einsätze«, sagte Kornelia Zaloga. »Dann werden die Schüler eingeteilt.«

Sie ist auch froh um ihr eigenes Erste-Hilfe-Wissen, das sogar schon daheim wichtig war, bei der eigenen Tochter. Sie ergänzte nachdenklich: Jeder sollte eigentlich für Auffrischungen seines Führerschein-Kurswissens sorgen.

Nordbayerische Nachrichten vom 21.7.2010

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